Jeder der selbst Schlagzeug spielt wird es mir nachempfinden können wie es ist, wenn man seit geraumer
Zeit kein Schlagzeug mehr bespielen konnte und man deswegen bei seinen Mitmenschen langsam unangenehm auffällt,
weil man einfach auf allem rumtrommelt, was irgendwie einen guten Sound von sich gibt und halt irgendwie grooved.
Richtig schlimm wird es dann, wenn man beim durchwühlen der Kartons nach irgendwelchen Sachen plötzlich
wieder seine alten Sticks wiederfindet und man mit traurigem Blicken wünscht, man könnte das dazu passende
Schlagzeug jetzt mit aus dem Karton ziehen. Ein kurzer Blick durch die Wohnung lässt die Traumblase schlagartig
platzen denn realistisch gesehen ist weder Geld noch der Platz für eine Schießbude vorhanden.
In einem alten Video aus den 80ern der Gruppe Saga (Titel: Briefcase) spielt Steve Negus ein
kleines Solo auf in einem Koffercase eingebauten Drumpad, das auf einem Barhocker vor ihm auf der Bühne steht.
In Anlehnung an dieses Video und in Erinnerung an mein altes Tama Techstar TS305 überlegte ich mir, wie ich
ein halbwegs brauchbares Midi Drumpad zusammenbasteln kann welches ein brauchbares Spielgefühl bietet, nicht
zu laut ist um es mit Kopfhörern zu spielen und zudem den kleinstmöglichen Platz einnimmt.
TAMA Techstar TS305
Für das hier beschriebene Drumpad benötigt man zwei 9mm starke MDF Platten 600mm x 400mm (zusammen ca.
5,- EUR), ein paar Sperrholz Platten (Pappelsperrholz für Bastler, DIN A4, Baumarkt ca. 2,- EUR), ca. 14 Bögen
Moosgummi (Folia Mossgummi, DIN A4, 10er Pack ca. 3,50 EUR), acht Piezo Schallwandler (Firma mit dem großen
C bei der ich nicht wirklich gerne was kaufe, Artikel-Nr. 712930 - LN, 0,47 EUR ab 10 Stück), Kleber, eine
Stichsäge und den nötigen Wahnsinn.
Zuerst sollte man sich über die Anordnung der Pads auf dem Brett Gedanken machen. Da ich nur A4 große
Moosgummi Bögen zur Verfügung hatte, bestimmte dieses Maß die Maximalgröße eines einzelnen
Pads. Als einer in den 80er kleben gebliebenen, habe ich mich für die achteckige Form entschieden und mit
dem Snare-Pad als größtes und damit Maß aller Dinge begonnen. Nach einigen Versuchen die Pads
in einem Grafikprogramm zu entwerfen und auf dem Brett zu verteilen ergab sich für das Snare-Pad eine Kantenlänge
von 198mm, für die Toms und das HiHat eine Kantenlänge von 160mm. Die so erstellten Formen für die
Pads werden ausgedruckt und auf das Sperrholz gelegt, welches nach dieser Vorlage zugeschnitten wird. Ein Teppichmesser
reicht hier übrigens völlig aus um das 4mm starke Holz zurechtzuschneiden. Gegen von Kinderhand ausgeführte
Laubsägearbeiten ist hier allerdings auch nichts einzuwenden :-)
Von den Moosgummibögen nimmt man sich nun erst mal einen Bogen einer Farbe, die man nachher nicht auf der
Oberfläche nutzen möchte und schneidet daraus 15mm breite Streifen ab. Die Streifen klebt man auf einer
Seite des zuvor zugeschnittenen Sperrholz rund um die Platte. Auf diesem Streifen liegt nachher das fertige beklebte
Pad auf der Grundplatte auf. Dieser Rand dient zum Einen als Schalldämpfung zu den benachbarten Pads, zum
Anderen wird hiermit der nötige Freiraum für das an der Unterseite aufgeklebte Piezo Element erreicht.
Das Piezo Element sollte mit einem fest aushärtendem Kleber wie z.B. Superkleber auf die Unterseite geklebt
werden. Es soll hier nicht der Schall sondern die Bewegungsenergie über den Piezo abgenommen werden.
Anschließend folgt die Oberseite des Pads. Hierzu werden nacheinander zwei Lagen Moosgummi auf die Oberfläche
aufgeklebt. Die zwei Lagen sind nötig, da eine Lage allein schon nach wenigen Schlägen durchgescheuert
wäre. Dies passiert auch, wenn man versucht statt 2mm starken Moosgummi einfach 4mm starkes zu nehmen. Die
beiden 2mm starken Lagen ziehen sich durch die Verklebung sehr schnell wieder in ihre ursprüngliche Form zurück
und selbst starke Dellen sind nach wenigen Minuten nicht mehr sichtbar.
Sind alle Pads fertig verklebt und trocken, kann man sich nun den Grundplatten widmen. Alle Pads werden den eigenen
Vorstellungen entsprechend auf einer der beiden MDF Platten gelegt und deren Umrisse mit einem Stift auf dieser
nachgezeichnet. Nun kommt der unangenehme und etwas heikle Teil der ganzen Arbeit, denn die so aufgezeichneten
Pads müssen nun aus der nur 9mm dicken MDF Platte ausgesägt werden, ohne das diese dabei zerbricht.
Dabei sollten die Aussparungen für die Pads ca. 1mm größer sein, als die Pads selber, damit sie
beim späteren Einsatz keinen Kontakt zum Rand der Platte hat.
Anschließend
ist die Bodenplatte dran. hier muss nun jeder selber entscheiden, ob er die Kabel die zu den einzelnen Piezos führen
zwischen den beiden Platten oder unter der Platte entlang führen möchte. Ich habe mich für die erste
Variante entschieden und in der oberen linken Ecke mit einem Stecheisen ein rechteckige Aussparung gestochen, in
der ich einen 36 poligen Pfostenstecker versenkt und eingeklebt habe. von dort aus habe ich wiederum mit dem Stecheisen
für die einzelnen Kabel kleine Kanäle gestochen, in denen die Kabel dann ohne die Pads oder die Oberplatte
nach oben zu drücken Platz finden.
Da man zwischen der Oberplate und den Pads nachher auf die doch recht helle MDF Platte durchsehen kann, empfiehlt
es sich die obere Platte auf z.B. einigen Schnittresten der Sperrholzplatten bündig auf die untere Trägerplatte
zu legen und die ausgeschnittenen Ränder mit einer Dose schwarzen Lack zu besprühen. Auch sollten helle
Ränder an den Pads abgedunkelt werden.
Nun kann
man mit dem verkabeln der einzelnen Pads beginnen und mit Zuhilfenahme der oberen Platte die Pads mittig auf den
zuvor aufgebrachten 15mm breiten Rändern auf der Bodenplatte fest verkleben. Bevor man jetzt die Oberplatte
mit der unteren fest verschraubt, kann man diese noch nach seinen eigenen Wünschen farblich etc. gestallten.
Ich habe bei meinem Drum-Pad die Seiten abgerundet und das ganze dann mit einem blauen Hammerschlaglack versehen.
Außerdem habe ich für spätere Änderungen der Zuordnung der Pads zu Note und Midikanal bereits
ein kleines Display vorgesehen und suche jetzt nur noch den passenden Drehimpulsgeber mit push button, um das Pad
mit einer Einknopfbedienung zu konfigurieren.